Seit mehr als vier Jahrzehnten gehört Bodybuilding zu ihrem Leben. Was einst mit improvisierten Trainingsgeräten in einem kleinen, kalten Raum begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen sportlichen Laufbahn.

Ramona Przyborowski gehört zu den bemerkenswerten Persönlichkeiten des deutschen Frauenbodybuildings. Die aus Kürten in Nordrhein-Westfalen stammende Athletin blickt auf eine über 40-jährige sportliche Laufbahn zurück und beweist auch mit 60 Jahren, dass Leidenschaft für den Wettkampfsport keine Altersgrenze kennt.

Die gelernte Konditorin begann ihre Karriere 1984 unter einfachsten Bedingungen mit teilweise selbstgebauten Trainingsgeräten. Im Laufe der Jahre gewann sie zahlreiche nationale und internationale Titel, darunter die Weltmeisterschaft 2022.

Ramona als Siegerin bei den kürzlich ausgetragenen NABBA Austrian Open 2026.

Neben ihrer eigenen Wettkampfkarriere ist Przyborowski seit dem Jahr 2000 als Fitness- und Ernährungscoach tätig und gibt ihre Erfahrungen an andere Athleten weiter. Auch 2026 feierte sie weitere Erfolge, darunter zwei Siege bei der NABBA Austrian Open. Für sie ist Bodybuilding jedoch weit mehr als die Jagd nach Medaillen: Es ist eine Lebensphilosophie, die Disziplin, Gesundheit und Lebensfreude miteinander verbindet.

Heute steht sie weiterhin auf der Wettkampfbühne, betreut Athletinnen und Athleten und beweist, dass Leidenschaft für den Sport keine Altersgrenze kennt.

Im Interview mit FITMAX spricht sie über ihre Anfänge, die Veränderungen im Frauenbodybuilding und darüber, warum es nie zu spät ist, seine Träume zu verwirklichen.


Vom improvisierten Training auf die große Wettkampfbühne

Wie erinnern Sie sich an Ihre ersten Schritte im Bodybuilding?

Meine Anfänge waren ganz anders als das, was man heute aus modernen Fitnessstudios kennt. Wir trainierten in einem kleinen Raum, in dem es im Winter ziemlich kalt war. Ein Heizlüfter musste für etwas Wärme sorgen.

Mein Schwager war Maschinenbauer und baute uns sogar eigene Trainingsgeräte, darunter Kabelzüge für das Bizeps- und Trizepstraining. Eine professionelle Olympia-Hantel und weitere Trainingsgeräte bekam ich geschenkt.

Ich trainierte dreimal pro Woche nach einem Dreiersplit. Meine kleine Tochter war damals im Kindergarten. Es war eine einfache Zeit, aber die Begeisterung für den Sport war von Anfang an da.

Die 15-jährige Ramona bei der Eröffnungsfeier des Kinder- und Jugendspartakiade in der ehemaligen DDR. „Wir probten damals eine Übung mit Fahnen“, erinnert sich unsere Athletin.

Was hat Sie damals motiviert, mit dem Training zu beginnen?

Ursprünglich hatte ich einen ganz anderen Beruf gelernt: Ich war Konditorin. Schon damals interessierte ich mich sehr für Ernährung und dafür, wie man Genuss und ein gesundes Körpergewicht miteinander verbinden kann.

Auch die gesundheitlichen Probleme innerhalb meiner Familie haben mich geprägt. Meine Tante litt an verschiedenen Erkrankungen, und ich wollte bewusst etwas für meine eigene Gesundheit tun.

Das Training war für mich deshalb von Beginn an mehr als nur eine Möglichkeit, meinen Körper zu verändern.

Wie führte Ihr Weg schließlich auf die Wettkampfbühne?

Nach unserem Umzug in die Nähe von Hannover begann ich zunächst in einem Damenstudio zu trainieren, das auf meinem Heimweg lag. Einen Trainer hatte ich damals nicht.

Eines Tages entdeckte ich ein Plakat, das eine Bodybuilding-Meisterschaft ankündigte. Das weckte sofort mein Interesse.

Als ich später ein eigenes Auto hatte, konnte ich mich in dem Fitnessstudio anmelden, das diesen Wettkampf organisierte.

Dort wurde auch mein Potenzial erkannt. Ich bekam erste wichtige Informationen über Training und Wettkampfvorbereitung. Besonders die Ernährung spielte eine entscheidende Rolle. Ich lernte, wie wichtig die richtige Zusammensetzung der Makronährstoffe ist.

Mit Papier, Bleistift und Radiergummi erstellte ich meinen ersten Ernährungsplan. Im Herbst 1984 war es dann so weit: Ich stand zum ersten Mal auf einer Wettkampfbühne.

Ihr erster Wettkampf im Herbst 1984.

Was bedeutet Bodybuilding heute für Sie, und was hat sich im Laufe der Jahre verändert?

Das Schöne an diesem Sport ist, dass man ihn bis ins hohe Alter ausüben kann. Körperlich und geistig bleibt man aktiv.

Natürlich sind Wettkampfergebnisse und Erfolge etwas Besonderes. Aber für mich geht es um viel mehr.

Durch das Bodybuilding habe ich gelernt, mein Körpergewicht unter Kontrolle zu halten und bewusst auf meine Gesundheit zu achten. Ich möchte möglichst lange gesund, fit und vital bleiben.

Mein Körper ist gewissermaßen mein Kapital. Ich pflege ihn, achte auf mich und genieße trotzdem das Leben. Dazu gehören für mich auch gutes Essen und die schönen Dinge des Alltags.

Showauftritt in Luxemburg.

Sie haben auch nach vielen Jahren noch einmal große sportliche Ziele verfolgt. Wie kam es dazu?

Ich habe über die Jahre viele Athletinnen und Athleten betreut und ihre Entwicklung begleitet.

Irgendwann kam der Gedanke auf, selbst wieder verstärkt auf die Wettkampfbühne zurückzukehren.

Es gab außerdem einen Wunsch, den ich schon seit vielen Jahren hatte: Ich wollte unbedingt einmal dorthin, wo Bodybuilding-Geschichte geschrieben wurde – zum berühmten Venice Beach in Kalifornien.

Als 2024 die Universe in Las Vegas stattfand, war das für mich eine ganz besondere Gelegenheit.

Ich wollte mir diesen Traum erfüllen und noch einmal selbst erleben, was es bedeutet, auf einer großen internationalen Bühne zu stehen.

Sieg bei der Asia Pacific im August 2026.

Welche Bedeutung haben Ihre jüngsten Wettkampferfolge für Sie?

Jeder Wettkampf hat seine eigene Geschichte. In dieser Saison nahm ich unter anderem an einem Wettkampf in China teil, wo ich in der Figure-Masters-Klasse eine Goldmedaille gewinnen konnte.

Anschließend ging es nach Österreich. Dort gelang es mir sogar, zwei Goldmedaillen zu gewinnen.

Diese Erfolge bedeuten mir sehr viel. Sie sind gewissermaßen die Ernte vieler Jahre voller Training, Erfahrung, Disziplin und Liebe zu diesem Sport.

Seit dem Jahr 2000 arbeite ich außerdem als Coach und begleite andere Athleten auf ihrem Weg. Wenn ich sehe, wie erfolgreich sie sind, macht mich das genauso stolz wie meine eigenen Medaillen.

Triumph bei den NABBA Austrian Open 2026.


Training und Ernährung im Wandel der Jahrzehnte

Wie haben sich Training und Ernährung im Bodybuilding seit Ihren Anfängen verändert?

Die Unterschiede sind enorm. Heute steht Athletinnen und Athleten eine riesige Auswahl an Nahrungsergänzungsmitteln zur Verfügung, die eine Vorbereitung erleichtern können.

Vor über 30 Jahren waren die Ernährungsstrategien teilweise ganz anders. Damals wurden beispielsweise die Fette in der Wettkampfdiät häufig extrem reduziert. Heute arbeitet man stärker mit der gezielten Anpassung der Kohlenhydratzufuhr.

Auch die Vielfalt der Wettkampfklassen hat sich verändert. Früher gab es wesentlich weniger Möglichkeiten. Heute findet man Kategorien wie Fitness, Figure, Bikini, Sportsmodel und verschiedene Bodybuilding-Klassen.

Dadurch können Menschen mit sehr unterschiedlichen Körperstrukturen und sportlichen Zielen eine passende Kategorie finden.

Ramona gibt ihr langjähriges Wissen und ihre Erfahrungen auch in Buchform weiter.

Wie hat sich Ihr eigenes Training mit zunehmendem Alter verändert?

Ich trainiere heute bewusster als früher. Es geht nicht mehr darum, ständig möglichst schwere Gewichte zu bewegen oder besonders häufig zu trainieren.

Ich verändere meinen Trainingsplan ungefähr alle acht Wochen und nutze verschiedene Intensitätstechniken, beispielsweise Supersätze und Reduktionssätze.

Besonders wichtig ist mir inzwischen die Regeneration. Ausreichend Schlaf, wenig Alkohol und ein ausgeglichener Lebensstil spielen dabei eine große Rolle.

Ich lege außerdem großen Wert darauf, Freude an meiner Arbeit und an meinem Leben zu haben. Zufriedenheit und Dankbarkeit sind für mich genauso wichtig wie sportliche Disziplin.

Ein Schnappschuss von der Weltmeisterschaft in Singapur.

Welche persönliche Ernährungsphilosophie verfolgen Sie?

Für mich gibt es eine ganz einfache Regel: Alles zu seiner Zeit.

Natürlich spielt Ernährung im Bodybuilding eine entscheidende Rolle. Aber das bedeutet nicht, dass man auf jeden Genuss verzichten muss.

Ich genieße es beispielsweise, gemeinsam mit meinen Athleten Erfolge zu feiern und dabei auch einmal gut essen zu gehen.

Zu Weihnachten gehört für mich auch das Backen dazu, so wie früher.

Es geht darum, bewusst zu leben und zu wissen, wann Disziplin gefragt ist und wann man sich etwas gönnen darf.

Mittagessen auf der Insel Gili.

Welche typischen Irrtümer begegnen Ihnen rund um die Ernährung im Bodybuilding?

Es gibt einige hartnäckige Vorstellungen.

Viele Menschen glauben beispielsweise, dass Bodybuilder immer das Gleiche essen, dass ihr Essen nicht schmeckt und dass sie jeden Tag trainieren müssen.

Dabei muss eine sportgerechte Ernährung keineswegs eintönig oder geschmacklos sein.

Es kommt vielmehr darauf an, die Ernährung sinnvoll zu gestalten und mit dem Training sowie den persönlichen Zielen in Einklang zu bringen.


Frauenbodybuilding zwischen Fortschritt und Verantwortung

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Frauenbodybuildings?

Ich sehe sowohl positive als auch kritische Entwicklungen. Besonders positiv finde ich, dass sich im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Wettkampfklassen etabliert haben.

Dazu gehören beispielsweise Bikini, Sportsmodel, Fitness und Figure. Dadurch ist der Sport für wesentlich mehr Frauen zugänglich geworden. Viele dieser körperlichen Ziele lassen sich auch auf natürlichem Weg erreichen.

Kritisch sehe ich dagegen Entwicklungen, bei denen die Gesundheit zu sehr in den Hintergrund rückt.

Dazu gehören beispielsweise Essstörungen oder der Versuch, durch leistungssteigernde Substanzen übermäßig viel Muskelmasse aufzubauen.

Gerade deshalb halte ich eine verantwortungsvolle Betreuung durch erfahrene Coaches für sehr wichtig.

Gemeinsam mit Lia Liebing und WFF-Präsident Graeme Lancefield.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Bewertung unterschiedlicher Wettkampfklassen?

Wer Athletinnen und Athleten betreut oder Wettkämpfe beurteilt, muss sich regelmäßig mit den verschiedenen Klassen und ihren Anforderungen auseinandersetzen.

Jede Kategorie hat ihre eigenen Bewertungskriterien. Hinzu kommt, dass sich auch die Regeln der einzelnen Verbände unterscheiden können.

Deshalb ist es wichtig, immer auf dem aktuellen Stand zu bleiben und die Anforderungen der jeweiligen Klasse genau zu kennen.

Gibt es ein besonderes Wettkampferlebnis, das Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist?

Für mich ist nicht immer der Sieg entscheidend. Manchmal ist der größte Erfolg der Sieg über sich selbst.

Wenn man eine schwierige Vorbereitung durchgestanden, Ausdauer bewiesen und seine persönlichen Grenzen überwunden hat, kann das genauso wertvoll sein wie eine Medaille.

Und natürlich gehört auch die Freude über die Erfolge anderer dazu.

Es ist nie zu spät, seine Träume zu verwirklichen

Sie betreuen seit vielen Jahren Athletinnen und Athleten. Welche Fehler beobachten Sie besonders häufig bei Wettkampfanfängern?

Ein sehr häufiger Fehler ist, dass sich Athleten nicht genügend Zeit für ihre Vorbereitung nehmen.

Manche haben keine festen Routinen oder unterschätzen, wie viel Disziplin eine Wettkampfvorbereitung tatsächlich erfordert.

Besonders problematisch wird es, wenn die Vorgaben zur Ernährung nicht eingehalten werden oder die gesamte Vorbereitung auf die leichte Schulter genommen wird.

Ein weiterer Punkt ist die mangelnde Erfahrung mit dem Ablauf eines Wettkampfes.

Ich finde, jeder, der selbst einmal auf der Bühne stehen möchte, sollte sich vorher zumindest einen Wettkampf als Zuschauer angesehen haben. Viele wollen einfach zu früh auf die Bühne.

Ich selbst betreue manche Athleten bereits ein ganzes Jahr vor ihrem geplanten Wettkampf. So kann ich sie besser kennenlernen und beobachten, wie ihr Körper auf Training und Ernährung reagiert.

Eine gute Vorbereitung braucht Zeit, Geduld und gegenseitiges Vertrauen.

Dank ihrer Wettkämpfe kommt Ramona auch an interessante Orte – hier in Shanghai.

Welche persönlichen Opfer verlangt der Wettkampfsport?

Vor allem Zeit und Spontaneität. Während einer Wettkampfvorbereitung kann ich nicht einfach spontan in den Urlaub fahren oder essen gehen, wann immer ich möchte.

Der Sport bestimmt in dieser Phase einen großen Teil meines Alltags. Natürlich bedeutet das auch, auf manches zu verzichten.

Trotzdem habe ich bisher nicht ernsthaft daran gedacht, endgültig aufzuhören.

Solange mir der Sport Freude macht und ich ihn gesundheitlich ausüben kann, sehe ich keinen Grund, damit Schluss zu machen.

Gemeinsam mit der Athletin Friederike Paul nutzte sie die Gelegenheit, nach dem Wettkampf auch die Chinesische Mauer zu besichtigen.

Was würden Sie Frauen raten, die erst mit 40, 50 oder noch später mit dem Krafttraining beginnen möchten?

Ganz einfach: Machen! Anfangen! Tatsächlich melden sich immer mehr Frauen bei mir, die erst in einem höheren Alter mit dem Training beginnen möchten.

Manche wollen sich beispielsweise zum 50. Geburtstag etwas ganz Besonderes schenken und noch einmal eine völlig neue Herausforderung annehmen.

Ich finde, man sollte sich nicht zu sehr damit beschäftigen, was die Familie oder andere Menschen darüber denken.

Wenn man einen Wunsch oder einen Traum hat, sollte man versuchen, ihn zu verwirklichen. Es ist nie zu spät, etwas Neues zu beginnen.

Titelgewinn bei einem Wettkampf auf Bali.

Welche sportlichen und persönlichen Ziele und Träume haben Sie noch?

Ich möchte weiterhin an Wettkämpfen teilnehmen und möglichst viele Orte auf der Welt kennenlernen.

Genauso wichtig ist es mir, meine Athletinnen und Athleten auf ihrem persönlichen Weg zu begleiten und sie dabei zu unterstützen, ihre Ziele zu erreichen.

Außerdem habe ich Bücher geschrieben, mit denen ich Menschen motivieren und inspirieren möchte. Es liegt mir sehr am Herzen, diese erfolgreich zu veröffentlichen.

Besonders schön finde ich es, wenn aus der Zusammenarbeit mit meinen Athleten langfristig etwas Positives entsteht.

Eine ehemalige Athletin von mir hat sich beispielsweise mit einem Unternehmen im Gesundheitsbereich selbstständig gemacht. Zuvor war sie als Sekretärin an einer Schule tätig.

Heute lebt sie ihren eigenen Traum. Dass ich sie auf diesem Weg begleiten und inspirieren durfte, bedeutet mir sehr viel.

Denn letztlich geht es nicht nur um sportliche Erfolge, sondern auch darum, anderen Menschen Mut zu machen und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.

Das Leben besteht nicht nur aus Wettkampfbühne und Fitnessstudio.